Prioritäten jetzt: Spargel vor Menschenleben! #WIRZUERST
Seit Wochen spielt sich an der Außengrenze der Europäischen Union in den griechischen Flüchtlingsauffanglagern eine humanitäre Katastrophe ab. Deutschland weigert sich, bis auf die Aufnahme von 50 unbegleiteten Kindern, für eine Verbesserung der Situation zu sorgen. Die Aufnahme von Flüchtlingen sei gerade zu Zeiten von Corona nicht mit dem Gesundheitsschutz der Bevölkerung zu vereinbaren. Auf der anderen Seite werden 80.000 osteuropäische Erntehelfer*innen eingeflogen, da die Deutschen sich zu schade sind, ihren geliebten Spargel selbst zu stechen. Tausende Erntehelfer*innen dürfen einreisen, aber Flüchtlinge müssen warten. Was stimmt hier nicht?
Ein wirtschaftliches Prinzip
Traurigerweise ist dieser Vorgang vor dem Hintergrund einer marktwirtschaftlichen Wirtschaftsordnung normal. Güter und Warenströme können ohne Weiteres über das Leben von Geflüchteten gestellt werden, erstere bringen schließlich Geld in die Kassen und sorgen für die Lebensmittelversorgung der deutschen Bürger*innen. Flüchtlinge dagegen werfen angeblich zunächst keinen Nutzen ab, sie verursachen im Gegenteil Kosten. Da in der Marktwirtschaft zunächst zahlungskräftige Bedürfnisse befriedigt werden, in diesem Fall Spargel für Spargelliebhaber*innen, müssen Flüchtlinge an der EU-Außengrenze unter erbärmlichen hygienischen und humanitären Bedingungen auf eine Perspektive hoffen. Hier zeigt sich klar die Inhumanität des Systems. Ohne Eingriff des Staats würde sich um die Flüchtlinge auf Lesbos nicht gekümmert werden. Evakuationen wären schwierig vorzunehmen, diese könnten lediglich von NGOs in kleinem Rahmen bewerkstelligt werden. Das humanitäre Problem wäre aber nicht gelöst.
Faule Ausreden
Zu argumentieren, Flüchtlinge könne man aufgrund der gesundheitlichen Gefahren für die Bevölkerung nicht aufnehmen, ist äußerst widersprüchlich. Sind 80.000 Erntehelfer*innen weniger gefährdend für die Deutschen als 50 Kinder? Natürlich birgt die Einreise der Erntehelfer*innen ein erhöhtes gesundheitliches Risiko, aber dafür bringen sie Geld und Spargel! Auch nach der Aufnahme von 50 unbegleiteten Flüchtlingskindern bleiben allein auf Lesbos im Camp Moria mit einer maximalen Aufnahmekapazität von 3.000 Geflüchteten noch immer knapp 20.000 Flüchtlinge ihrem Schicksal überlassen. Leben auf engstem Raum, knappe Wasser- und Nahrungsmittelversorgung, schlechte bis gar keine sanitären Einrichtungen, Streit und Prügeleien gehören zum Alltag. Aufgrund der mangelnden medizinischen Versorgung und der schlechten Hygiene würde das Coronavirus sehr hart auf das Lager treffen. Es würde viele vermeidbare Todesfälle geben. Kann das „Friedensprojekt Europa“ so etwas auf eigenem Gebiet zulassen?
Spargel gegen Flüchtlinge
Es geht nicht darum, Erntehelfer*innen und Flüchtlinge gegeneinander aufzuspielen und zu überlegen, wer wichtiger ist. Was jedoch nicht sein kann, ist, dass Erntehelfer*innen zu zehntausenden eingeflogen werden und sich Flüchtlinge hinten anstellen müssen. Wäre ein radikaler gesundheitlicher Schutz angesetzt, dürften weder Erntehelfer*innen noch Flüchtlinge einreisen. Jedoch befinden sich die Flüchtlinge in einer außergewöhnlichen humanitären Notsituation und die Deutschen lieben ihren Spargel. Warum nicht beides? Spargel für alle und eine Beendigung des Leids in den Flüchtlingscamps in Griechenland. Viele Kommunen sind sogar bereit, Flüchtlinge auch während der Coronakrise aufzunehmen, da sie eine Katastrophe in den Camps verhindern wollen. Wir brauchen dringend entsprechende Gesetze, die den Kommunen endlich grünes Licht geben, ihre Vorhaben umzusetzen! Wir können die Flüchtlinge nicht ihrem eigenen Schicksal überlassen. #leavenoonebehind