Fleisch – Das leckerste Übel der Welt
Tierschützer*innen, Menschenrechtler*innen, Klimaexperten*innen, zum Teil sogar Ernährungsberater*innen, und neuerdings sogar Wirtschaftsforscher*innen diskutieren über das gleiche Thema. Wie passt das zusammen? Über Fleisch gibt es tatsächlich Verbindungen zwischen diesen verschiedenen Personen. Moral, Globale Gerechtigkeit, Klima, Flächennutzung, Gesundheit und Wirtschaftlichkeit stehen als Themen vor uns. Es folgt eine gegenwartsorientierte Ablichtung und Verknüpfung der Aspekte.
Als kleinen Einstieg möchte ich einen kleinen Überblick über die Mythen des Fleischkonsums zusammenstellen, welche zusammengefasst in die 3 Ns der Rechtfertigung aufgeteilt werden können: Fleischessen sei normal, natürlich und notwendig.
Als normal wird schlicht und einfach das bezeichnet, was der überwiegende oder auch dominantere Teil der Gesellschaft praktiziert. Nur weil viele Menschen Fleisch essen, heißt es weder, das es gut für sie ist, noch das die Normalität mit Werten und Normen gleichgesetzt werden kann. Im 18. Jahrhundert war es zum Beispiel vollkommen normal, dass es Sklaverei in ganz Amerika gab. Auch noch im 20. Jahrhundert war Diskriminierung und Rassismus ganz alltäglich. Kein aufgeklärter Bürger des 21. Jahrhunderts wird Sklaverei und Rassismus als sinnvoll bezeichnen, nur weil es vor 200 Jahren als normal angesehen wurde. Fleischkonsum daher mit vermeintlicher Normalität zu rechtfertigen, ist schlichtweg nicht angebracht.
Fleisch wurde schon immer gegessen, deshalb ist es natürlich. Es stimmt: Vor der neolithischen Revolution (Übergang vom mobilen Jäger, Fischer und Sammler zum sesshaften Bauern, vor weit mehr als 10 Jahrtausenden v. Chr.) jagte der prähistorische Mensch Tiere mit der Hetzjagd als Ausdauerjagt. Er trieb die Tiere, bis diese vor Erschöpfung zusammenbrachen. Nach der neolithischen Revolution wurde es jedoch nach und nach schwieriger an Fleisch zu gelangen. Fleisch ist sehr rohstoffintensiv in der Herstellung und wurde demnach nicht mehr für jeden erschwinglich. Fleisch konnte sich bis vor ca. 60 Jahren nur der reiche Teil unserer Gesellschaft leisten. Und bis vor 40 Jahren war es auch nur der Sonntagsbraten.
Nie wurde so viel Fleisch gegessen wie heute: Weltweit stieg der Fleischkonsum zwischen 1961 und 2009 von 23 kg auf 42 kg pro Kopf und Jahr. Binnen von nur 50 Jahren stieg der Konsum also ungefähr um den Faktor 2. In Deutschland lag der Gesamtverbrauch pro Kopf im Jahr 2013 bei ungefähr bei 87kg, in den USA sogar bei 120kg. Der aktuelle Zustand darf demnach faktisch nicht mit dem vor 60 Jahren und davor gleichgesetzt werden. Heutigen Fleischkonsum als Natürlichkeit zu bezeichnen, ist also ein Fehlschluss.
Fleischkonsum ist notwendig, damit der Mensch gesund bleibt und lange lebt. Heutzutage besteht wissenschaftlicher Konsens darüber, dass eine Ernährung ohne Fleisch, bzw. vegetarische oder vegane Ernährung gesundheitlich nicht abträglich ist. Richtig ausgeführt, hat eine vegane Ernährung sogar einige Vorteile gegenüber einer mischköstlichen. Wenn man bestimmte pflanzliche Lebensmittel kennt und diese bewusst in die täglichen Mahlzeiten einbaut, sind keine gesundheitlichen Einbußen zu erwarten. Fleisch ist zwar nährstoffreich, bezogen auf Mineralstoff- und Proteingehalt, hat allerdings auch einige weniger wünschenswerte Inhaltsstoffe, zum Beispiel einen hohen Anteil gesättigter Fettsäuren, Antibiotika, Cholesterin oder Hormone.
Da alle Mineralstoffe aus dem Boden kommen und alle Vitamine bakteriellen Ursprungs sind, kann man nicht behaupten, bestimmte Nährstoffe würden ausschließlich in Fleisch stecken. Alle Nährstoffe sind in Pflanzen zu finden, mit dem Vorteil, dass man oben erwähnte unerwünschte Stoffe nicht aufnimmt. Dass Fleischessen für ein gesundes Leben essenziell, bzw. notwendig sei, ist wissenschaftlich widerlegt. Vollwertige, pflanzliche Lebensmittel haben gegenüber tierischen einen gesundheitlichen Vorteil, weshalb Ernährungsgesellschaften der ganzen Welt empfehlen, deutlich weniger vom Tier und dafür mehr Pflanzen zu konsumieren.
Perspektive Tierschützer*innen: Was hinter verschlossener Stalltür abläuft
Kommen wir nach den drei Ns der Rechtfertigung des Menschen zum Tier als Lebewesen. Hierbei wird zunächst objektiv die Lebenszeit eines Tieres, das zum Verzerr bestimmt ist, in Phasen nachvollzogen. Danach folgt eine subjektive Bewertung.
Zunächst sei gesagt, dass die folgenden Beispiele für Tiere aus der Massentierhaltung gelten. Da der Anteil von Fleisch aus der Massentierhaltung bei 98%, also ca. 745 Millionen geschlachteten Tieren jährlich allein in Deutschland, liegt, wird sich hauptsächlich auf ebendiese bezogen. Ob Bio als Alternative herhalten kann, wird an späterer Stelle untersucht. Die Zahlen gelten nur für Tiere aus der Fleischproduktion, Milchkühe oder Legehennen werden demnach nicht mitgerechnet.
Phase 1: Schwangerschaft/ Geburt:
Egal, ob Schwein, Rind, Pute oder Huhn: Alle weiblichen Tiere werden künstlich mit einer Spritze befruchtet, damit sie Schwanger werden.
Huhn: Nach der Geburt werden die Küken von den Hennen getrennt. Sie kommen in separate Ställe, wo sie von Beginn an mit Kraftfutter für ein schnelles Wachstum gefüttert werden.
Schwein: Die Jungtiere bleiben zunächst bei ihren Müttern. Diese sind in Metallkäfige gesperrt, in denen sie sich weder umdrehen noch aufstehen können. Viele Ferkel sterben früh, da ihre Mutter sie bei Bewegungen zerquetscht, aber auch mangelnde Hygiene durch die Nichtbeseitigung von Fäkalien und daraus resultierenden Infektionen, führt zu einem frühen Tod der Jungtiere.
Rind: Die Kälber werden innerhalb von 24 Stunden nach der Geburt von den Müttern getrennt. Weiblichen Kälbern steht ein Leben für die Milchindustrie bevor, während männliche Kälber für Rind- und Kalbfleisch gemästet werden. Um Hornwachstum zu verhindern, wird den Kälbern eine heiße Metallstange mit viel Kraft auf die Hornansätze gepresst, sodass Nerven- und Blutbahnen absterben. In Deutschland darf dies ohne Betäubung erfolgen.
Phase 2: Leben:
Alle Tiere werden auf gewaltsame Art und Weise an die Haltung angepasst: Hühnern wird ohne Betäubung der Schnabel abgeschnitten, damit sie sich nicht gegenseitig zu Tode picken. Rindern werden die Hörner abgetrennt und Schweinen wird, ebenfalls ohne Betäubung, der Ringelschwanz abgeschnitten, damit Artgenossen ihn nicht abbeißen.
Alle Tiere bekommen anstelle ihrer natürlichen Nahrungsmittel Kraftfutter aus Soja, Mais oder anderem Getreide, denn nur so können die Tiere unnatürlich schnell wachsen, um schnell geschlachtet werden zu können.
Allen Tieren wird Antibiotika verabreicht, da sich Krankheiten in Ställen schnell ausbreiten können. Dies liegt an der hohen Tierzahl auf wenig Raum in Kombination mit mangelnder Hygiene.
Allen Tieren werden Grundbedürfnisse verweigert, sie sehen in ihrem Leben weder Tageslicht, noch haben sie Bewegungsfreiheit. Für viele sind die einzigen Schritte die zum LKW, der sie zum Schlachter bringt.
Huhn: Ein Huhn lebt in der Massentierhaltung 28 bis 42 Tage, unter normalen Umständen beträgt die Lebenserwartung 5 bis 7 Jahre. Bis zu seinem Tod wiegt es entsprechend der Lebenstage 1,5 bis 2,7 kg. Betriebe mit über 200.000 Tieren insgesamt und 40.000 Tieren pro Masthalle sind in Deutschland keine Seltenheit mehr. Ein m² ist für 26 Hühner vorgesehen, das entspricht ungefähr der Größe eines DIN-A5-Blattes pro Tier. Der Boden wird zu Beginn der Mast mit Holzspänen und Stroh bedeckt. Je länger die Mast dauert, desto verunreinigter wird der Boden. Untersuchungen haben gezeigt, dass gegen Ende der Mast der Boden zu 90 % aus Exkrementen und zu 10 % aus Einstreuresten besteht. Dadurch bildet sich das giftige Gas Ammoniak, welches zu Entzündungen und Verätzungen der Augen, Atemwegen, Brusthaut, Beinen und Füßen der Hühner führt. Das hohe Gewicht während des jungen Alters beeinträchtigt den noch nicht ausgewachsenen Körper. Folge sind Knochenbrüche, Gelenkentzündungen und Kreislaufprobleme.
Schwein: Ein Schwein wird innerhalb von 6 bis 7 Monaten auf ein Gewicht von 110 bis 125 kg gemästet. In den meisten Betrieben leben 1.000 bis 5.000 Schweine. Hier befinden sich die Schweine in Buchten, wo sie sich kaum bewegen können. Vorgesehen sind 0,75 m² pro Schwein bei einem Gewicht von 50 bis 110 kg. Ab 110 kg haben die Tiere eine Fläche von 1 m² zur Verfügung. Aus wirtschaftlichen Gründen leben die Tiere auf einem Spaltenboden, damit Exkremente so durch die Spalten in darunterliegende Kanäle gelangen können. Es wird kein Einstreumaterial verwendet, da es schlicht zu teuer ist, dieses nach Verunreinigung zu wechseln. Schweine sind also ihr Leben lang auf einem Betonboden mit Spalten untergebracht, welcher im Gegensatz zu natürlichem Waldboden keinen Komfort bietet. Die Tiere liegen gerne und knabbern an Gräsern auf dem Waldboden. Durch den harten Spaltenboden bekommen Schweine physische wie psychische Schäden. Klauenverletzungen, aufgeschürfte Haut und Gelenkverletzungen sind ebenso wie Entzündungen durch das Gas Ammoniak keine Seltenheit. Des Weiteren können Schweine auf dem engen Raum keinen natürlichen Bedürfnissen nachgehen, wie zum Beispiel der Trennung von Liegebereich und Kot- und Harnplatz (wenn möglich in einem Abstand von bis zu 15 m).
Rind: Mastrinder werden in weniger als 400 Tagen mit einem Gewicht von 680 bis 750 kg geschlachtet. Der überwiegende Teil der Rinder ist männlich, da die weiblichen Rinder zunächst der Milchgewinnung dienen und dann erst geschlachtet und zu Fleischprodukten weiterverarbeitet werden. Die Männchen nehmen durch das Kraftfutter täglich ca. 1,5 kg zu. In der Laufstallhaltung leben etwa 76 % aller Rinder. Hier hat ein ausgewachsener Bulle 2,7 m² Platz. 18 % der Rinder leben in der Anbindehaltung. Der Kopf wird durch einen Metallrahmen oder eine Kette fixiert, der Rest des Körpers befindet sich in einem Käfig, dessen Größe weder Schritte noch eine Drehung um die eigene Achse zulässt. Da die Rinder deutlich größer als der Käfig werden, stehen die Tiere mit den Hinterläufen in dem Mistgraben oder auf den Kotgittern. Dies führt, ebenso wie das Leben auf Spaltenböden bei der Laufstallhaltung, zu Entzündungen an Klauen und Beinen. Hautschäden, Erkrankung der Verdauungs- und Stoffwechselorgane oder Gelenkentzündungen sind keine Seltenheit.
Phase 3: Tod/ Schlachtung:
Huhn: Haben die Hühner das gewünschte Schlachtgewicht erreicht, werden sie in den Ställen eingesammelt. Dies übernimmt entweder ein Fänger, der sich bis zu 5 Hühner pro Hand nimmt und diese an den Beinen zu einem Transportbehälter bringt oder eine Maschine, die mit Walzen die Tiere auf ein Förderband befördert. Die Transportbehälter werden auf einen LKW verladen. Die neue Umgebung, Enge, hohe Temperaturen und fehlendes Licht lösen enormen Stress bei den Hühnern aus.
Im Schlachthof werden die Transportbehälter maschinell ausgeladen. Bei der Elektrobetäubung greift ein Schlachthofmitarbeiter nach den Beinen des Huhns und hängt es kopfüber mit den Beinen an das Schlachtförderband. Anschließend werden die Tiere mit dem Kopf in ein Wasserbecken getaucht, dass unter Strom steht. Das Gehirn ist jetzt betäubt und die Tiere werden mit einem Halsschnitt getötet. Kleinere Hühner, deren Kopf nicht vollständig durch das Wasserbecken getaucht wurde, erleben die Tötung bei vollem Bewusstsein. Bei der Gasbetäubung bleiben die Tiere zunächst in den Transportboxen und werden mitsamt der bereits beim Transport verstorbenen Hühner in einen Tunnel gefahren, in welchem konzentriertes Kohlendioxid ist. In einigen Anlagen werden die Tiere durch hohe Gaskonzentrationen getötet, in anderen werden die betäubten Tiere an das Schlachtförderband gehangen und dann durch einen Schnitt getötet.
Sind die Hühner ausgeblutet werde sie durch ein Brühbad gezogen. Das heiße Wasser erleichtert das maschinelle Rupfen der Federn. Ein sogenannter Eviszerator entfernt vor der Weiterverarbeitung sämtliche Innereien.
Schwein: Nachdem die Schweine vom Aufzuchtbetrieb zum Schlachthof transportiert wurden, werden sie in Gruppen aufgeteilt. In Deutschland gibt es zwei Betäubungsmethoden für Schweine. Bei der Gasbetäubung werden die Tiere in Gondeln in eine Gaskammer herabgelassen, in der sich stark konzentriertes Kohlendioxid befindet. Dieses gibt den Tieren das Gefühl, als würden sie langsam ersticken. Nach etwa 100 Sekunden fährt die Gondel wieder hoch und die Tiere werden automatisch ausgeladen. Bei der Elektrobetäubung wird den Schweinen mit einer Zange an den Kopf gegriffen, sodass ein elektrischer Strom das Hirn betäubt. Während des Prozesses sind Schweine anwesend, die noch bei Bewusstsein sind und die Betäubung ihrer Artgenossen miterleben. Fehlbetäubungen durch falsche Dosierung und Einsatzdauer des Gases oder Fehlansetzung der Betäubungszange führen zu einem Miterleben des Todes. Je nach Schlachthof werden die Schweine nun aufgehangen und dann mit einem Messerstich in die Brust getötet oder andersherum. Wird der Stich verfehlt, dauert das Ausbluten länger, sodass manche Tiere während des Ausblutens aus der Betäubung erwachen. Anschließend werden sie in ein Brühbad getaucht, dass der Enthaarung dient. Auch hier sind einige Schweine (in Deutschland ca. 600.000 pro Jahr) noch nicht tot. Sie erwachen in kochendem Wasser aus der Betäubung und werden lebendig totgekocht.
Rind: Nach teils stundenlangem Transport werden die Rinder in eine Wartehalle getrieben. Dann werden sie einzeln in Boxen geführt und dort entweder durch einen Elektroschock oder Bolzenschuss betäubt. Nach der Betäubung werden die schlaffen Tiere mit einer Kette am Hinterbein hochgezogen, sodass das Rind durch einen Messerstich getötet werden kann. Allerdings werden Rinder nicht immer betäubt, da der Bolzen zum Teil nicht genau trifft oder der Stromfluss zu gering ist. Als Folge erleben die Tiere den Tot und das Ausbluten bei Bewusstsein.
Kauft und isst eine Person Fleisch, so hat sie die alleinige Verantwortung für alle Leiden, alle Schmerzen und alle Trauer des Tiers.
Die zu Beginn erläuterten „3 Ns der Rechtfertigung“ haben bereits gezeigt, dass es kein Sachargument gibt, das Fleischessen normal, natürlich oder notwendig sei. Bleibt ein Argument: „Fleisch schmeckt aber so gut.“
Ist es gerechtfertigt, dass für den Genuss des Fleischessers ein fühlendes, gänzlich unschuldiges Tier stirbt? Haben wir Menschen dazu ein Recht, obwohl wir nicht auf Fleisch angewiesen sind? Jede Konsumentin und jeder Konsument sollte sich darüber im Klaren sein, dass einmal ein Tier hinter seinem Essen steckte, dass geboren wurde, um des Menschen Willen zu sterben. Ein Leben gänzlich ohne Tageslicht, Bewegung, Freiheit, Liebe und Würde. Dürfen wir so ein Leben den Tieren zumuten, einzig und allein, weil wir es lecker finden? In Deutschland wird die Würde des Menschen, gemäß Artikel 1 des Grundgesetzes, sehr hoch angesehen. Und die Würde unser Mitbewohner der Erde ist nichts wert? Die Würde der Tiere, die wir als „Nutztiere“ bezeichnen wird von jedem Fleischesser in den Dreck getreten. Du schätzt die Würde? Dann ist Fleisch ab sofort tabu.
Im Übrigen ist die Menschheit sehr hinterlistig gegenüber den Tieren, die sie verspeisen. Ohne die Tiere wären wir heute wohl nicht da, wo wir jetzt sind. Aber in Zeiten, wo unser Überleben nicht mehr vom Nutztier abhängt, beuten wir einige Tiere gnadenlos unter der Kappe von „Genuss“ aus, während wir Hunden und Katzen ein Leben in Freiheit, Liebe und Zuneigung gewähren. Irgendwas passt hier nicht zusammen finde ich.
Es spielt dabei keine Rolle, ob das Fleisch Bio ist oder vom Bauern nebenan kommt. Wir versuchen uns das Gewissen zu entlasten. Der Zweck des Lebens eines Tiers, ob nun Freilandhaltung oder Massentierhaltung, besteht darin, dass es lebt, um am Ende gegessen zu werden. Genuss als Rechtfertigung für Gewalt, Leiden und Massenvernichtung an Tieren finde ich unangebracht.
Perspektive Menschenrechtler*innen: Globale Gerechtigkeit
Die Europäische Kommission begünstigt mit Hilfe von Subventionen die europäischen Landwirte. Diese Subventionen halten trotz des bereits geringen Fleischpreises und der gesättigten Nachfrage auf dem europäischen Markt an. Da Bürger*innen der EU sehr wählerisch sind, was den Konsum von Fleisch angeht, bleibt vieles vom Tier übrig. So wird vom Huhn zum Beispiel häufig nur die Brust oder die Schenkel gegessen. Muskelarme Teile des Huhns werden nach Afrika exportiert. Dort bekommen die Bauern keine Subventionen. Ein kleiner Bauer hat durch die Subventionen der EU keine Wettbewerbschancen auf dem afrikanischen Markt, da das Hühnchenfleisch in der EU bis zu 50 % günstiger produziert werden kann. So werden Existenzgrundlagen afrikanischer Bauern durch Fleischkonsum in der EU zerstört.
Dazu kommt, dass für die Menge an Fleisch, die innerhalb der EU produziert und verspeist wird, auf dem europäischen Kontinent nicht genügend Land existiert. Die Tiere brauchen mehr Futter, als in Europa angebaut werden kann, weshalb Soja, Mais und Getreide aus anderen Kontinenten importiert wird. Wertvolle Ackerfläche wird genutzt, um unseren Fleischbedarf zu decken. Menschen vor Ort müssen zum Teil hungern, trotz verfügbarer Landflächen. 17 Prozent des Kalorienbedarfs der Menschheit stammt von Tieren, für diese wird allerdings 77% des weltweiten Agrarlands benötigt. Knapp zwei Drittel davon sind von Tieren genutzte Weiden, das andere Drittel wird jedoch für den Anbau von Feldfrüchten genutzt. Diese Fläche kann viel besser zur globalen Ernährung und Hungerbekämpfung vor Ort genutzt werden, als die ohnehin schon fleischbetonte ungesunde westliche Ernährungsweise noch weiter zu fördern. Für vermeintlichen Genuss von tierischen Produkten, insbesondere von Fleisch, Menschen anderer Nationen ihrer Landfläche zu berauben ist global ungerecht.
In vielen Berichterstattungen zur Armutsbekämpfung geht dieser Widerspruch unter. Auf der einen Seite wird versucht Hunger und Armut zu bekämpfen, auf der anderen Seite wäre es jedoch möglich jeden Menschen jeden Tag mit genügend Lebensmitteln zu versorgen, dass er nicht hungern müsste. Es ist allerdings die verschwenderische egoistische Lebensweise weniger Erdbewohner*innen, die einer gerechten Verteilung wertvoller Ressourcen im Wege stehen.
Perspektive Ernährungsberater*innen: Mehr Gesundheit durch weniger Tier?
Zerlegen wir ein Stück Fleisch mal in seine Nährstoffe: Was ist Gutes drin? Fleisch enthält hochwertiges Protein und Eisen. Dazu kommen einige weitere Mineralstoffe wie Magnesium, aber auch eine Reihe an B-Vitaminen. Hier endet auch schon die Liste an hochwertigen Inhaltsstoffen. Fleisch weist ebenfalls einen hohen Gehalt an ungesunden Fettsäuren auf. Dazu kommen Cholesterin und Spuren der Massentierhaltung: Reste von Stresshormonen und Antibiotika sind in nahezu jedem Fleisch aus der Massentierhaltung zu finden.
Vielen Bürger*innen Deutschlands ist ihre Gesundheit sehr wichtig. Sie gilt als wichtiger Faktor für ein gutes Leben. Erhöhter Fleischkonsum kann jedoch Herz- und Gefäßerkrankungen, aber auch Fettleibigkeit begünstigen. Aus diesem Grund empfehlen Ernährungsgesellschaften der ganzen Welt eine pflanzenbetonte Ernährung mit wenig tierischen Produkten. Die Realität sieht allerdings anders aus. So empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung pro Woche nicht mehr als 300 bis 600g Fleisch. Tatsächlich verzerrte 2015 ein*e Bürger*in Deutschlands im Durchschnitt 60,3 kg Fleisch, was einer Menge von deutlich über einem Kilo pro Woche entspricht.
Statt tierischen Produkten wird eine vollwertige pflanzenbetonte Ernährung empfohlen. Obst, Gemüse, Vollkorngetreide, Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen bilden ein breites Spektrum verschiedenster Lebensmittel, die abwechslungsreich kombiniert zu gesundheitlichen Vorteilen führen und den täglichen Bedarf aller Mikro- und Makronährstoffe decken können. Viele groß angelegte Studien haben gezeigt, dass keine Risiken bestehen, wenn man auf Fleisch verzichtet, vorausgesetzt die fleischfreie Ernährung wird bewusst und gesund gestaltet.
Perspektive Klimaexperten*innen: Die planetaren Grenzen von Fleisch
Wenige Produkte belasten das Klima und die Umwelt so stark wie Fleisch. So trug die Fleisch- und Milchindustrie 2016 zu 14 % zum globalen Ausstoß von klimaschädlichen Emissionen bei. Wenn man mit einbezieht, dass in einigen Ländern der Fleischkonsum deutlich höher ausfällt als in anderen, stehen Deutschland und andere westliche Nationen noch schlechter da. Der Anteil der globalen Emissionen der Fleisch- und Milchproduktion sind vergleichbar mit denen aus dem gesamten Verkehr, inklusive Schiff- und Luftfahrt. Wenn Deutschland klimaneutral werden möchte, wird es einen Weg finden müssen, auch die Emissionen von Fleisch drastisch zu senken.
Nicht nur für Treibhausgase ist die Fleischproduktion verantwortlich. Um einen Kilo Rindfleisch herzustellen werden ca. 15.000 Liter Frischwasser benötigt, das die Kühe während des Wachstumsprozesses trinken. Für andere Fleischarten wird zwar nicht so viel Wasser benötigt, jedoch sind es pro Kilo im Durchschnitt immer noch ca. 8.500 Liter. In Anbetracht von Wassermangel in vielen Teilen der Erde ist diese Art der Nahrungsmittelerzeugung höchst ineffizient.
Da das angebaute Futter in Europa für die hier gehaltenen Tiere nicht ausreicht, muss weiteres Futtermittel importiert werden. Der bekannteste und wohl kritischste Fall ist Soja aus dem Amazonasregenwald.
Dort wird der Urwald gerodet, teils mit Feuer, was im Sommer 2019 laut vieler Experten dazu führte, dass der Regenwald unkontrolliert brannte.
Der Regenwald Brasiliens wird häufig als die Lunge des Planeten bezeichnet. Der Wald entzieht der Luft Kohlendioxid und bindet es in seinen Pflanzen. Im Gegenzug produzieren die Pflanzen den für uns überlebenswichtigen Sauerstoff. Wird nun der Wald gerodet oder brennt ab, kann zum einen weniger Kohlenstoff gebunden werden, was in Zeiten von Klimawandel dringend notwendig wäre. Zum anderen wird Kohlenstoff durch das Vernichten der Pflanzen freigesetzt, sodass sich beide Effekte gegenseitig verstärken. Es wird mehr Kohlenstoff freigesetzt und gleichzeitig kann weniger gebunden werden. Auf den freien Flächen wird gentechnisch veränderter Soja in Monokulturen angebaut. Es werden Unmengen an Dünger, Unkrautvernichter und Insektenbekämpfer verwendet. Geerntetes Soja wird mit Schiffen in die Welt exportiert, unter anderem auch nach Deutschland. Dies führt zu zusätzlichen Emissionen.
Gülle wird von vielen Landwirten als ein natürlich verfügbarer Dünger gesehen, der Mineraldünger überlegen sei. Stimmt auch. Jedoch gibt es so viele Tiere, dass es zu einer Überlastung der Böden gekommen ist. Der Stickstoff- und Phosphorkreislauf ist durch das massive Düngen mit Gülle stark aus dem Gleichgewicht gekommen. Will man die Kreisläufe vor irreversiblen Schäden bewahren, darf nicht mehr so viel Gülle auf die Felder gekippt werden. Das Haken ist, dass eine neue Düngeverordnung nicht viel bringen würde, denn damit wäre nicht das Problem gelöst, dass schlicht zu viel Gülle entsteht. Irgendwo muss die Gülle schließlich auch landen. Da die Böden schon stark überlastet sind, müssen die Viehbestände drastisch reduziert und dann eine neue Düngeverordnung eingeführt werden.
Ansonsten gelangt die Gülle in Form von Nitraten im Grundwasser, was für die Menschen gesundheitsgefährdend ist. Eine Säuberung des Trinkwassers geht mit hohen Kosten für den Verbraucher einher. Flüsse befördern den Dünger in die Ozeane. Dort gedeihen gigantische Mengen an Algen, was langfristig zur Übersäuerung der Ozeane führen kann.
An dieser Stelle sei auch die enorme Lebensmittelverschwendung erwähnt: Jährlich werden allein in Deutschland ca. 54.000.000 Tiere geschlachtet, die verdorben oder unverdorben im privaten Hausmüll landen und somit vermeidbar wären. In Anbetracht der ressourcenintensiven Herstellung von Fleisch ist das sehr verschwenderisch und wenig wertschätzend.
Perspektive Wirtschaftsforscher*innen: Globale Fleischversorgung 2050
Der Bedarf an Fleisch steigt drastisch. In Deutschland ist der pro Kopf Verbrauch zwar leicht rückläufig. Aber in Ländern wie China und Indien ist der Bedarf durch die Wohlstandsentwicklung stark gestiegen. Ein vor wenigen Jahrzehnten fast ausschließlich vegetarisch lebender Kontinent isst nun mehr und mehr Fleisch. In Zukunft wird auch Afrika einen höheren Fleischbedarf durch die Wohlstandsentwicklung haben. Selbst wenn wir alle Länder der Erde von Wald befreien und überall Ackerfläche und Weideland schaffen, lässt sich der Bedarf all dieser Menschen nicht decken.
Schon jetzt stößt die Landwirtschaft an ihre Grenzen: Die benötigten Ressourcen wie Futter, Landfläche und Wasserverbrauch stehen in keinem Verhältnis zur tatsächlichen Kaloriennutzung durch Fleisch. Wie gehen wir mit diesem in Zukunft sich zuspitzenden Problem um?
Möglichkeit 1: Fleischverbot
Wir gehen zum Beispiel nach China und erklären ihnen, dass sie kein Fleisch mehr essen dürfen, weil wir durch unseren Konsum den Planeten bereits an die Grenzen gebracht haben. Dann müssten drastische Strafen verhängt werden, wenn eine Person dort Fleisch konsumiert. So gehen wir nicht nur mit China, sondern mit jedem Land der Erde um, bei dem der Fleischkonsum steigen wird.
Natürlich würde kein Land bei einem solchen Vorhaben mitmachen. Diese Möglichkeit ist, wenn wir nicht alle Länder der Erde in „vegetarische Diktaturen“ umwandeln, unrealistisch.
Möglichkeit 2: Fleischersatz
Winston Churchill wurde 1932 von einer englischen Zeitschrift gefragt, ob er einen Artikel zum Thema „Die Welt in 50 Jahren“ schreiben könne. Darin schreibt Churchill folgenden Satz: „Wir werden den Aberwitz hinter uns lassen, dass wir ein ganzes Huhn züchten, um nur Brust oder Flügel zu essen, und jene Teile getrennt in einem geeigneten Medium züchten.“ Diese Utopie wurde 2013 das erste Mal Realität: Mark Post von der Universität Maastricht präsentierte der Öffentlichkeit das erste Mal „Cultured Meat“. Nachdem er einem Rind eine Stammzelle entnommen hatte, züchtete er in einer Nährlösung aus Kälberserum eine Bulette aus der Petrischale. Es lässt sich also Fleisch herstellen, ohne das ein Tier dafür sterben muss.
Inzwischen wurde ein Verfahren entwickelt, bei dem kein tierrechtlich umstrittenes Kälberserum mehr benötigt wird. Zwar wird für die Herstellung sehr viel Energie benötigt, aber auf der anderen Seite kann im Vergleich zu Rindfleisch die Hälfte an Frischwasser eingespart werden, sodass Kunstfleisch ungefähr so viel Wasser wie die wassereffizienteste Fleischart Geflügel braucht. Außerdem kann der Landverbrauch und der Ausstoß von Treibhausgasen um 95 % gesenkt werden. Weiterentwickelt und betrieben mit erneuerbarer Energie kann Kunstfleisch aus dem Bioreaktor einen wichtigen Beitrag zur Ernährung der künftigen Weltbevölkerung stellen. Cultured Meat ist moralisch unbedenklicher, da kein Tier sterben muss, ökologischer und mutmaßlich gesünder, da keine Antibiotikareste oder Stresshormone als Überbleibsel der Massentierhaltung im Fleisch vorhanden sind.
Die Herstellungskosten für diese Bulette betrugen damals 330.000 US-Dollar. Finanziert wurde das Projekt durch Sergey Brin, einem der Gründer von Google. Heute ist Mark Posts Burger rund 11 US-Dollar teuer. Bis das Produkt in den Supermarktregalen erscheint, wird es also nicht mehr allzu lange dauern. Das große Ziel ist, dass Cultured Meat irgendwann sogar günstiger als herkömmliches Tierfleisch ist.
Bis dahin ist es wichtig, dass die Entwicklung von der deutschen Landwirtschaft ernst genommen wird. Unternehmen im Silicon Valley investieren gigantische Geldsummen, weil sie in Cultured Meat, sowie der gleichen Herstellungsart für Käse und Milch einen neuen Markt sehen. In Deutschland geht es zum Teil unter, dass das Silicon Valley nach Robotik und Zukunftsmedizin am dritt meisten in diese Art der Lebensmittelherstellung investiert. Das ist doppelt so viel wie für künstliche Intelligenz, nur um eine Vorstellung zu bekommen.
Jedoch gibt es einen Haken an der Entwicklung. 1997 wurde am Europäischen Gerichtshof ein Urteil im Interesse des Konzerns Norvatis gefällt. Man kann demnach zwar keine Patente auf Leben verteilen, aber Patente auf Verfahren zur Herstellung von bestimmten biologischen Produkten. Für die grüne Gentechnik war dieses Urteil damals entscheidend, denn für die Konzerne lohnt sich diese nur, wenn man sich darauf Patente sichern kann. Durch dieses Urteil konnte es dazu kommen, dass es heute Konzerne wie Monsanto gibt, die gentechnisch verändertes Saatgut patentiert haben. Es ist ein Monopol entstanden ist, von dem vor allem auf dem amerikanischen Kontinent fast jeder Landwirt abhängig ist.
Im Hinblick auf Cultured Meat wäre es im Interesse der Bevölkerung, wenn hier nicht das gleiche wie bei der grünen Gentechnik passiert. Man stelle sich vor, ein Konzern wie Google sichert sich auf diese Art der Lebensmittelherstellung ein Patent, was durchaus möglich wäre, aufgrund des Urteils von 1997. Es würden enorme Abhängigkeiten entstehen, die nicht wünschenswert sind.
Investieren Landwirte nicht rechtzeitig in Cultured Meat, wird ihnen ähnliches wie der deutschen Automobilindustrie wiederfahren, die den Wandel zur E-Mobilität verschlafen hat. Firmen aus dem Ausland würden deutsche Landwirte auf dem Fleischmarkt ablösen, aus einem simplen Grund: Cultured Meat wird günstiger sein. Auf der einen Seite haben wir Silos, in denen Cultured Meat „automatisch wächst“, auf der anderen Seite brauchen wir Felder für Futter, Wasser, riesige Ställe, Schlachtpersonal, usw.
Es muss also jetzt im Sinne der Landwirte, der Konsumenten, aber auch der Tiere dafür gekämpft werden, dass diese Verfahren der Lebensmittelherstellung für jeden zugänglich sind. Patente gelten für Dinge, die man erfunden hat und nicht für Dinge, die man gefunden hat.
Fazit
„Was ich esse, geht nur mich etwas an.“ Das stimmt nicht. Ein unschuldiges, fühlendes Tier muss sterben, andere Menschen hungern, die Umwelt und der Planet wird zerstört. Hinzu kommen bei übermäßigem Verzehr gesundheitliche Beeinträchtigungen, von Fettleibigkeit bis zu Herz- Kreislauf- Schädigungen. Und all das ohne ein höheres Ziel. Fleisch ist für uns nicht (mehr) überlebensnotwendig. Ist es wert, für 5 Minuten all diese Leiden, Zerstörungen und Schädigungen in Kauf zu nehmen?
Das sollte jeder für sich selbst entscheiden, aber bedenke: Deine Freiheit endet da, wo die des anderen (egal ob Mensch oder Tier) anfängt.
Quellen
Titel: https://www.youtube.com/watch?v=y6f3dwxexZM&t=49s
Die drei Ns der Rechtfertigung: agora42: Sein und Fleisch, Ausgabe 04/2016, Melanie Joy: Karnismus: die Ideologie des Fleischkonsums
Hintergründe der Massentierhaltung: https://albert-schweitzer-stiftung.de/massentierhaltung
Massentierhaltung in Bildern: https://www.youtube.com/watch?v=LQRAfJyEsko&t=459s&has_verified=1
Gesundheit und Fleisch: https://www.youtube.com/channel/UCURHLn3nl9AFVeD1G0lnlaw
Hinweise zu einer gesunden pflanzlichen Ernährung: https://www.youtube.com/channel/UCy828Y1Z2lhA7RcC6OZffZA
Zahlen und Fakten zu Fleisch: Fleischatlas 2018, Agrar-Atlas 2019, beide herausgegeben von der Heinrich-Böll-Stiftung, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland und Le Monde Diplomatique
Cultured Meat: Fleischatlas 2018, Laborfleisch: Biologen zeigen ihre Muskeln, herausgegeben von der Heinrich-Böll-Stiftung, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland und Le Monde Diplomatique
Wie Monsanto den Saatgutmarkt beherrscht: Dokumentarfilm: Food, Inc. Was essen wir wirklich? (2010)
Für eine umfassendere und tiefergehende Weiterbildung zum Thema Fleisch kann ich sämtliche Quellen empfehlen.